Reisemedizinische Tipps

Fernreisende bedürfen besonderer Aufmerksamkeit in medizinischer Hinsicht, begeben sie sich doch in Länder, in denen die Häufigkeit von Infektionskrankheiten ähnlich der mitteleuropäischen Situation vor dem Ersten Weltkrieg ist, und die medizinische Versorgung in manschen Fällen praktisch fehlt.

Ich möchte Ihnen mit den nächsten Zeilen einige allgemeine reisemedizinische Tipps geben, damit Sie von ihrem Urlaub wirklich erholt und vor alle gesund nach Hause kommen.

 


 

 

An erster Stelle der Gefahren, die die Urlaubsfreude beträchtlich schmälern können, steht mit Sicherheit der klassische

Reisedurchfall

Weder die fünf Sterne des Hotels, noch die herrliche Ausstattung der Zimmer und das einladende Buffet lassen Rückschlüsse über den hygienischen Zustand in der Küche, die Hygiene der Zulieferfirmen und die persönliche Hygiene des Küchenpersonals zu. Deshalb dürfen einige wichtige Tipps zur Nahrungsmittelhygiene auf keinen Fall fehlen, zumal es noch keine Impfung zum Schutz vor dem Reisedurchfall gibt. 

Auf den Genuss von gewissen Dingen sollte man auf alle Fälle verzichten wie z. B. 

  • Leitungswasser 

  • Eiswürfel und Eiscreme 

  • Salate und rohe Gemüseprodukte 

  • ungeschälte Früchte 

  • rohe Fisch und Fleischzubereitungen

Es werden viele  Produkte angeboten, die problemlos sind wie z. B. original verschlossene Softdrinks oder auch industriell aufbereitetes in Originalflaschen abgefülltes Trinkwasser. Tropische Früchte wie Mangos, Papayas und Ananas müssen geschält werden und können somit uneingeschränkt genossen werden. Sollte sie dennoch "Montezumas Rache" ereilen, ist an erster Stelle auf die ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten zu achten. Die Aufnahme  fester Nahrung sollte am Anfang nur zurückhaltend erfolgen.
Für den Flüssigkeitsersatz kann man sich die entsprechende Lösung auch selbst zubereiten:
        1 Liter Orangensaft ( frisch gepresst oder mit Mineralwasser verdünnt )
        1 gestrichener Kaffeelöffel Kochsalz
        1 Esslöffel Zucker
Diese Mischung wird gut umgerührt und vor dem Trinken eine Stunde stehengelassen. Je nach Schwere der Durchfälle müssenmindestens zwei Liter pro Tag getrunken werden. Für Kinder wäre eine derart selbstgemischte Lösung zu unausgewogen, daher sollte man Präparate wie Normolyt mitnehmen. Auch das alte Hausrezept Coca Cola und Soletti hat durchaus seine Berechtigung und findet bei Kindern 
sicher Anklang. Der Einsatz von Motilitätshemmern wie Imodium stellt den Darm ruhig und sollte nur für den Notfall (Rundreisen, längere Busreisen) und auf einen kurzen Einnahmezeitraum ( max. 48 St.) beschränkt sein. Sinnvoll sind auch Präparate wie z.B. Bioflorin oder Antibiophilus, die die gestörte Darmflora wieder herstellen sollen. Zur Behandlung von länderdauerndem Durchfällen kann durchaus eine antibiotische Eigentherapie erforderlich sein. Für Erwachsene kommen Medikamente wie Ciproxin zum Einsatz, bei Kindern Lidaprim forte oder ähnliches.

Insektenschutz

Nicht nur Nahrungsmittel stellen mögliche Infektionsrisiken dar, auch Insekten können eine Reihe von unliebsamen Erkrankungen wie Malaria oder Dengue Fieber übertragen. Aus diesem Grund sollten Sie entsprechende Vorsichtsmassnahmen treffen:
Die entsprechend Bekleidung ( z. B lange Hosen, langärmlige Hemden und Blusen ) stellen eine wichtige Maßnahme zum Schutz gegen Insekten dar. Daneben gibt es noch eine Vielzahl von mückenabwehrenden Hautlotions- und Sprays ( Autan ).
Auch Klimaanlagen und Moskitonetze stellen vernünftige und wichtige Insektenschutzmaßnahmen dar.

Sexuell  übertragbare Erkrankungen

wie HIV, Hepatitis B, Tripper und Lues stellen ein großes Problem dar. Die Zahl der HIV Infektionen bei Fernreisenden nimmt konstant zu, und HIV ist nach wie vor eine nicht behandelbare Erkrankung. Ungeschützte Sexualkontakte gleichen einem russische Roulette und sollten in allen tropischen Ländern unterlassen werden.

Tierbisse

Eine vernünftige Verhaltensweise ist auch im Umgang mit Tieren im eigenen Interesse sinnvoll. Nicht nur die Tollwut spielt in viele Regionen eine bedeutende Rolle, auch unliebsame Kontakte mit Spinnen, Schlangen, und giftigen Meerestieren können zu ernstzunehmenden gesundheitlichen Problemen führen. Bei Bissen durch Gifttiere sollte der betroffene Körperteil ruhig gestellt und keinesfalls an der Bissstelle 
hantiert werden. Anschließend ist der Betroffene auf schnellstem Wege einer medizinischen Behandlung zuzuführen.

Unfälle

Nicht Infektionskrankheiten, sondern Unfälle und Verletzungen nehmen einen Spitzenplatz bei den Gesundheitsstörungen in den Tropen ein. Offensichtlich führt die gelöste Urlaubsstimmung zu einer Erhöhung der Risikobereitschaft,  daraus resultieren oft schwere Verletzungen, die einen Heimtransport erforderlich machen. Man vergisst leicht, dass der technische Standard der angebotenen Autos oder Motorräder nicht den gewohnten Anforderungen entspricht.

Sonnenschutz

Dem Sonnenschutz kommt natürlich in den Tropen eine große Bedeutung zu. Man sollte sich bereits vor der Abreise mit ausreichenden Mengen eines Sonnenschutzmittels eindecken, dessen Verträglichkeit man bereits vorher getestet  hat. Ganz besondere Vorsicht gilt bei Kindern. Auch Sonnenbrillen und Kopfbedeckung sollten im Reisegepäck nicht fehlen.

Bekleidung

Die Bekleidung in tropischen Regionen sollte vorzugsweise aus atmungsaktiven und pflegeleichten Materialien bestehen ( reine Baumwolle ). Nicht vergessen sollte man, dass die Temperaturschwankungen oft beträchtlich sind. Auch Klimaanlagen ( bes. wenn sie sich nicht regulieren lassen ) erzeugen oft "eisige Temperaturen", sodass Weste und Pullover gute Dienste leisten können.

Reisethrombose

Jeder Reisende, besonders ältere Personen, sollte sich im klaren sein, dass eine längere Flugreise eine gewisse Gefährdung für die Ausbildung von Gefäßverstopfungen in sich birgt: Langes unbewegliches Sitzen, wenig Flüssigkeitszufuhr bei gleichzeitig sehr trockener Luft im Flugzeug bedeuten, dass der Blutabtransport aus den Beinvenen beeinträchtigt ist. Also: Während des Fluges immer wieder aufstehenund Bewegungsübungen machen, viel trinken ( für 10 Stunden Flug mindestens 2 Liter, natürlich kein Alkohol), nicht rauchen. Personen, die schon einmal eine Thrombose gehabt haben, sollten sich vorher eine blutverdünnende Injektion geben lassen.

Beschwerden nach der Rückkehr

Jeder Reisende, der im Anschluss an einen Aufenthalt in einem exotischen Land plötzlich Gesundheitsprobleme bekommt, sollte sich unverzüglich, vor allem bei fieberhaften Beschwerden, an seinen Hausarzt wenden. Jeder, der aus einem Malariagebiet kommt, sollte bedenken, dass auch eine noch so konsequent durchgeführte Malariaprophylaxe keinen absoluten Schutz bietet und dass eine Malaria tropica innerhalb eines Zeitraumes von 48 Stunden ( und weniger ) akut lebensgefährlich werden kann. Wird eine Malaria rechtzeitig erkannt und behandelt, so ist sie in der Regel unproblematisch. Verpasst man den optimalen Zeitpunkt des Einschreitens so kann die Malaria trotz Therapie tödlich enden. Der Zeitraum zwischen ungefährlich und tödlich beträgt nur wenige Tage.

Ich ersuche Sie diese Tipps zu beachten. Dann werden Sie sicherlich einen schönen Urlaub haben und auch wieder gesund nach Hause kommen.

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